Beim Tritt aufs Gaspedal „geht die Post ab“

Opel Corsa-e: Der Kleinste darf als Erster an die Steckdose / Weitere Modelle folgen noch in diesem Jahr

Vom sportlichen Design her unterscheidet sich der Elektro-Corsa nicht von seinen mit Verbrennungsmotor ausgestatteten Brüdern. Opels Errfolgsauto hat in der neuen Generation an Sportlichkeit gewonnen.

Von Lothar Dönges Text und Lothar Jungmann Fotos

Opel demokratisiert die Elektromobilität. Erstmals bieten die Rüsselsheimer mit der komplett neuen sechsten Corsa-Generation eine rein batterie-elektrische Variante seit Ende März an. Bei der Fahrt in die elektrische Zukunft schiebt Opel den Corsa-e auf die Pole Position und zeigt gleichzeitig, dass Elektromobilität auch in den preiswerteren Regionen der Automobilität machbar ist.

In der Elektro-Variante ist auch der Innenraum typisch Corsa. Lediglich die digitalen Instrumente verraten, dass kein Verbrenner für den Vortrieb des Wagens verantwortlich ist. Foto: Opel

Auf den ersten Blick verraten nur der fehlende Auspuff und die aerodynamisch optimierten Räder den Wechsel zum batterieelektrischen Antrieb. Ansonsten unterscheidet sich die jüngste Generation nicht von den konventionell angetriebenen Varianten. Und auch der Innenraum ist typisch Corsa. Lediglich die digitalen Instrumente zeigen, dass hier kein Verbrenner für den Vortrieb sorgt.

Der Start hat Sportwagenniveau

Nachdem der Startknopf gedrückt ist, passiert zunächst wie bei allen E-Mobilen nichts, bis der erste Tritt auf das rechte Pedal demonstriert, dass diese Antriebe durchaus Spaßpotenzial haben. Vom ersten Moment an steht das maximale Drehmoment von 260 Newtonmetern (Nm) bereit und beschleunigt den Kleinwagen zügig in den Verkehr. An der Ampel zeigt der Corsa mit seiner Beschleunigung von null auf 50 km/h in 2,8 Sekunden einigen vermeintlich potenteren Mitbewerbern die Rückleuchten. Bis Tempo 100 km/h vergehen nur 8,1 Sekunden – das hat Sportwagenniveau.
Freilich sollte man diese Überlegenheit nicht allzu oft demonstrieren. Darunter leidet die nach dem WLTP-Zyklus gemessene Reichweite von bis zu 330 Kilometern. Sie lässt sich durch den gezielten Einsatz der Rekuperationsmöglichkeiten beim Verzögern um den einen oder anderen Kilometer optimieren. Nach einer kurzen Eingewöhnung rollt der Corsa-e dann Energie zurückgewinnend langsam vor der roten Ampel aus.

Der Elektro-Corsa steht dem Verbrenner-Corsa optisch in nichts nach. Einzige Ausnahme: Der Elektro-Corsa besitzt optimierte Felgen. Auch ihn gibt’s grundsätzlich viertürig und als fünfsitzigen Kleinwagen, der auch in der sechsten Generation seine Liebhaber finden wird.

Tiefer Schwerpunkt: Solides Fahrverhalten

Als Antrieb wählten die Opel-Entwickler einen 136 PS (100 kW) starken Elektromotor, der den Fünfsitzer auf maximal 150 km/h beschleunigt. Den Strom liefert eine Batterie mit 50 kWh, die mittels Schnell-Ladung in einer halben Stunde zu 80 Prozent geladen werden kann und im Wagenboden platziert wurde. Der dadurch erzielte tiefere Schwerpunkt trägt zum soliden Fahrverhalten bei. Der neue Corsa ist direkter, dynamischer und sorgt, so Opel, für mehr Vergnügen hinterm Lenkrad. Dynamik vermittelt der Corsa-e nicht nur über seinen Antrieb, sondern auch durch sein sportliches Design bei kompakten Außenmaßen.

Als Elektrofahrzeug gehört der Corsa-e dank der Feinarbeit der Ingenieure mit seinen knapp 1,5 Tonnen zu den Leichtgewichten. Das Auto ist für alle Ladeoptionen vorbereitet, und bei Bedarf vermittelt der Opel-Händler die für den Kunden optimale technische Lösung. Dazu gehören neben Wallboxen auch alle benötigten Kabel.
Serienmäßig besitzt der Corsa-e einen einphasigen 7,4 kW starken Onboard-Lader. Von der Ausstattungsversion Edition an kann als Option ein dreiphasiges elf kW starkes Pendant bestellt werden. Zusätzlich ist ein Schnell-Ladeanschluss an Bord, mit dem entsprechende Ladesäulen mit bis zu 100 kW/500 V genutzt werden können. Für die Batterie gewährt Opel eine Garantie von acht Jahren oder 160 000 Kilometern.

In einer halben Stunde ist die 50 kWh starke Batterie des Corsa-e an der Ladestation zu 80 Prozent aufgeladen. Die Batterie sitzt im Wagenboden, so dass der tiefe Schwerpunkt zum sicheren Fahrverhalten des Autos beiträgt.

Außengeräusche sind kaum wahrnehmbar


Das alles ist durchaus beruhigend, wenn man mit dem Corsa-e auf Tour geht. Der Antrieb beginnt akustisch nicht vernehmbar seinen Dienst. Einmal in Fahrt, ändert sich nichts an der angenehmen Ruhe. Offensichtlich haben die Opel-Ingenieure nicht an Dämmmaterial gespart, so dass die bei anderen E-Mobilen vernehmbaren Abrollgeräusche Fahrer und Passagiere nicht weiter stören. Beim Fahrwerk ist eine angenehme Mischung aus Dämpfung und Federung gelungen, so dass auch marode Straßenoberflächen nicht an die Insassen gemeldet werden. Lediglich kurze Bodenwellen machen sich bemerkbar.
Die Domäne des Corsa-e ist vor allem die Stadt. Hier zeigt er seine Stärken. Der gerade 4,06 Meter lange Kleinwagen mit einem überschaubaren Wendekreis von 10,74 Metern wieselt durch den Großstadtdschungel und schont die Nerven von Fahrer und Passagieren. Und wenn man will, kann man immer die durchaus dynamischen Fahrwerte ausspielen und auf Express schalten. Drei Fahreinstellungen, Eco (empfehlenswert), Normal und Sport, stehen zur Wahl.

Gute Ausstattung schon ab Basisversion

Der Corsa-e kostet in der Basisversion Selection 29 900 Euro. Dank der staatlichen Förderung reduziert sich der Preis auf 23 300 Euro. Bereits in der Einstiegsvariante ist Opels Kleinster durchaus großzügig ausgestattet. Dazu gehören so angenehme Dinge wie eine Klimaautomatik, elektrische Parkbremse, ein schlüsselloses Startsystem und das mit Apple Carplay und Android Auto kompatible Multimediaradio mit einem sieben Zoll großen Farbbildschirm sowie ein volldigitales Cockpit. Die Abteilung Sicherheit ist mit einem Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung, Spurhalteassistent, Verkehrsschildererkennung sowie einem intelligenten Geschwindigkeitsregler und -begrenzer vertreten. Neben der Basisversion stehen noch die Varianten Edition (30 650 Euro) und First Edition (32 900 Euro) im Programm.
Als Option können die verschiedenen Versionen gegen Aufpreis mit Systemen ausgerüstet werden, die sonst nur in höheren Segmenten angeboten werden. Dazu gehört unter anderem das adaptive und blendfreie Matrix-Licht, das Opel im Corsa erstmals im Kleinwagensegment anbietet.

Hoch gesteckte Ziele für vier Jahre

Bis zum kommenden Jahr wird sich die Opel-Elektroflotte um acht Modelle vergrößern. Neben dem Corsa-e und dem SUV Grandland X als Plug-In-Hybrid sollen in diesem Jahr noch der Nachfolger des Crossovers Mokka X und der Transporter Vivaro elektrifiziert auf den Markt kommen. Die Vans Combo Life und Combo Cargo sowie der Zafira Life und der Astra-Nachfolger schließen sich an. Das Ziel der Rüsselsheimer Autobauer: Bis zum Jahr 2024 wird jede Modellreihe elektrifiziert sein.



Technik und Daten

Opel Corsa-e
Maße: 4,06 m/1,96 m/1,43 m (Länge/Breite/Höhe)
Radstand: 2,54 m
Motor: Elektromotor
Leistung: 100 kW/136 PS
Max. Drehmoment: 260 Nm
Batterie: Lithiumionenbatterie, 50 kWh
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,1 Sek.
Elektr. Reichweite: 337 km
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 16,8 kWh
Effizienzklasse: A+
CO2-Emissionen: 0 g/km
Leergewicht: min. 1530 kg
Kofferraumvolumen: 267-1042 l
Wendekreis: 10,74 m
Basispreis: 29 900 Euro

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