Der neue ID.3 von VW soll zuerst Europa elektrifizieren

Jürgen Stackmann, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen Pkw für den Geschäftsbereich Vertrieb, Marketing und After Sales, spricht am 8. Mai bei der Volkswagen ID pre-order Veranstaltung im drive in Berlin. Foto: Friso Gentsch/Volkswagen

Von Lothar Jungmann

Volkswagen startete exakt am 8. Mai, 13 Uhr, in Berlin für Europa das Pre-Booking für das erste Modell seiner neuen vollelektrischen ID. Familie. Interessenten können sich für 1000 Euro einen frühen Produktionsslot des ID.3 online unter www.volkswagen.com/id-prebooking registrieren. Das Auto selbst gibt es alldings erst im Sommer 2020. Produktionsstart ist Ende dieses Jahres.

Die Inszenierung in der Bundeshauptstadt ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass es sich um ein beonderes Ereignis handelt. Im „Drive Forum“ an der Berliner Friedrichstraße hatte der Volkswagen-Konzern rund 300 Journalisten aus aller Welt versammelt, um die Freischaltung der Online-Reservierung live miterleben zu lassen. VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann ordnete die Bedeutung des ID-Starts denn auch als historisch für VW ein: Die Planung von zusammen 20 elektrischen Modellen und die Investition von rund neun Milliarden Euro bis 2025 in Entwicklung, Bau, Vertrieb und Ladeinfrastruktur sei vergleichbar mit einem dritten tiefgreifenden unternehmerischen Wandel. Die ersten beiden seien durch den VW Käfer und der die Einführung der Modells Golf gekennzeichnet. Die eigens hierfür konfigurierte Sonderedition ID.3 1 verfügt über eine hochwertige und leistungsfähige Ausstattung und ist auf 30.000 Fahrzeuge limitiert.
Ein „neues Kapitel“ werde „auch für die Industrie insgesamt“ aufgeschlagen, so Jürgen Stackmann, denn Volkswagen bietet für die elektrische MEB-Plattform Teilhabe anderer Partner an. Die Elektromobilität fahre nach diesem Konzept „heraus aus der Nische“. Das erste ID-Fahrzeug in Kundenhand und auf der Straße werde die Ziffer 3 tragen und sich an den Dimensionen des Golfs orientieren. Allerdings, so versprach der Vertriebschef in der in englischer Sprache gehaltenen Pressekonferenz, werde sich das Erleben der Insassen, insbesondere das Raumgefühl, nachhaltig von dem im gegenwärtigen Kompakt-Bestseller unterscheiden: „Das ist sehr, sehr eindrucksvoll“. Wie eindrucksvoll, wird man auf der IAA in Frankfurt im September sehen können.

Um der Weltpremiere nicht zu viele Neuigkeiten zu nehmen, sind die technischen Informationen zum ID3 noch spärlich. Drei Leistungsstufen soll es geben, deren Batterien eine Kapazität von 45, 58 oder 77 Kilowattstunden (kWh) haben werden. Die damit verbundenen Reichweiten bezifferte Stackmann auf 330 bis 550 Kilometer. Der Vertriebler geht davon aus, dass die mittlere Variante den meisten Kundenzuspruch erhalten wird. Die Erst-Edition wird in vier Farb- und drei Ausstattungsvarianten zu haben sein. Als Reichweite gab Stackmann 420 Kilometer a. Ziel ist es, am Produktionsstandort Zwickau auf einen Jahresausstoß von 100 000 Fahrzeugen zu kommen.

Die Erstausgabe ist freilich auf 30 000 Exemplare limitiert und diese Summe gilt nicht für Deutschland, sondern für 29 Märkte auf dem europäischen Kontinent. Feste Stückzahlen für jeden Markt sind nicht vorgesehen, sondern die Registrierung erfolge ohne Ansehen der Person oder der Herkunft nach Eingang der notwendigen Daten. Gut möglich also, dass „Elektro-Märkte“ wie Norwegen oder die Niederlande den Deutschen die meisten der ersten 30 000 Fahrzeuge wegschnappen. Da die „1st“-Edition mit einer besonderen Ausstattung (und einem 58 kWh-Akku) versehen ist, soll die „unter 40 000 Euro“ kosten. Das Einstiegsmodell soll später für 30.000 Euro zu haben sein. Die staatliche Förderung von Elektromobilen ist von diesem Betrag noch abzuziehen.

Inklusive ist außerdem ein kostenloses Aufladevolumen von 2000 kWh für ein Jahr, was aber auch für spätere Besteller des ID gelten soll. Parallel zur Produktionsvorbereitung arbeitet Volkswagen am Aufbau von Ladekapazitäten. Dazu stattet VW den ID mit der Lade-App „WeCharge“ aus und hat sich dem europaweiten Schnellladenetz Ionity angeschlossen. In Großbritannien wird eine Kooperation mit der Supermarktkette Tesco vorbereitet, auf deren Parkplätzen ebenfalls Ladestationen entstehen sollen.
Mit der Registrierung ist von den Interessenten eine Zusage über 1000 Euro abzugeben, die allerdings nicht auf ein VW-Konto zu überweisen sind, sondern in der Verfügbarkeit des Kunden verbleiben soll. Der Betrag ist später auf den Kaufpreis oder auf Service- und Wartungsleistungen anrechenbar. Wer es sich später anders überlegt, kann die Registrierung kostenfrei stornieren und sich die 1000 Euro wieder gutschreiben lassen. Sowohl die Lieferkett und die Herstellung der Batteriezellen als auch die Produktion sind auf das Ziel „CO2 neutral“ ausgerichtet, so Stackmann. Und weiter: „Zum Beispiel wird Stromaus erneuerbaren Energien genutzt.“ Nicht vermeidbare Emission im Herstellungsprozess werden in zertifizierten Klimaprojekten ausgeglichen.

„Mit dem ID3 beginnt nach Käfer Golf das dritte große Kapitel von strategischer Bedeutung in der Geschichte unserer Mark. Denn mit dem ID.3 werden wir zunächst Europa elektrifizieren und dann mit zeitnah folgenden anderen E-Modellen der ID. Familie weitere Regionen der Welt,“ versprach Jürgen Stackmann.

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