Von Lothar Dönges (Text und Fotos)
Zumindest mittelfristig wird die Zeit der ausschließlich Verbrenner-angetriebenen Autos der Vergangenheit angehören. Ob sich bis dahin die E-Mobilität kompromisslos durchgesetzt hat, ist, Stand heute, fraglich. Zahlreiche Automobilhersteller setzen zunächst einmal auf den „Kompromiss Hybrid-Fahrzeuge“ und damit auf eine Technologie, die ihre Kraft sowohl als auch auf die Straße bringt.

Wie beim SUV HR-V beschränken sich die Änderungen beim neuen Civic außen wie innen eher auf kosmetische Retuschen. Die Überraschung beim aufgewerteten Honda-Dauerläufer: Mehr Auto für weniger Geld.
Honda gehört dazu. Etappenziel der japanischen Autobauer bis zum Jahr 2030 war es, so Deutschlands Pressesprecher Daniel Blaschke, 30 Prozent der Verkäufe ausschließlich elektrisch angetrieben zu erreichen. Inzwischen stellt Honda aber einen Rückgang der E-Modelle-Nachfrage fest, so dass man dieses Ziel zurückgesetzt und den Schwerpunkt der Antriebe verändert hat. „Wir setzen eher auf Vollhybride und automatisierte Techniken in unseren HEV-Modellen“, so Blaschke bei der Präsentation neuer Honda-Entwicklungen am Deutschland-Standort in Erlensee.

Steigender Bedarf an Vollhybriden
Honda rechnet in den nächsten Jahren mit einem steigenden Bedarf an Vollhybrid-Fahrzeugen. Konsequenterweise wurde die komplette Modellpalette durchhybridisiert und aufgefrischt. Dazu gehören der Jazz, ZR-V, der CR-V in der sechsten Generation als Voll- oder e-HEV-Hybrid mit Allrad- oder Frontantrieb (Honda-Cheftechniker Kotaro Yamamoto: „Der ultimative Allrounder“) und seit dem Frühjahr der überarbeitete HR-V. (Foto oben) In diesen Wochen folgt der ebenfalls überarbeitete Civic in drei Ausstattungsvarianten und einem Design-Update sowie absehbar auch der sportliche 2+2-Sitzer Prelude und der Elektroroller CUV e.
Außen und innen werden hübsche Akzente gesetzt
Sowohl beim HR-V als auch beim (Civic Bild ganz oben) beschränken sich die Änderungen außen wie innen eher auf kosmetische Retuschen. Beim Civic sind es außen der neue, schwarz umrandete Kühlergrill, Verkleidungen an der Front und den vorderen Scheinwerfern, der in Wagenfarbe gehaltene Spoiler am unteren Stoßfänger. Innen verfügen alle Ausstattungslinien der Coupé-Limousine über einen schwarzen Dachhimmel, Mattchrom-Akzente an den Lüftungsdüsen und je zwei USB-C-Anschlüsse vorne wie hinten.
Das coupé-ähnlich gestylte SUV HR-V der neuen Generation trägt einen überarbeiteten Grill mit schwarzer Zierleiste zwischen den dunkler gehaltenen Scheinwerfern und den markanteren Stoßfängern. Am Heck beschränken sich die Änderungen gegenüber dem Vorgänger-Modell auf eine neue LED-Lichtleiste über die gesamte Breite des Fahrzeugs. Hinzu kommen drei neue Außenlackierungen.
Im Innenraum wurde der untere Bereich der Armaturentafel und die im schwarzen Klavierlack gehaltene Mittelkonsole flacher gestaltet. Neben einer besseren Schalldämpfung soll in allen HR-V serienmäßig abgedunkeltes Privacy Glass für mehr Komfort an wärmeren Tagen sorgen.
Bei potenziellen Kunden will Honda durch zusätzliche Ausstattungsfeatures punkten. Die Civic-Einstiegsversion „Elegance“ kommt neben Klimaautomatik, Lederlenkrad und Navigations-System nun mit einer induktiven Ladestation fürs Smartphone und automatisch abblendendem Innenspiegel. Neben grau-matten 18-Zoll-Alufelgen verfügt die „Sport“-Ausstattung über ein beheizbares Lenkrad und ein digitales Kombiinstrument mit 10,2 Zoll großem Display. Bei der Top-Version „Advance“ finden sich neben einem Bose-Soundsystem und Panorama-Glasschiebedach zusätzlich ein dunkler Dachhimmel sowie das Ambiente-Licht im Fußraum und in der vorderen Tür-Innenverkleidung.

Auch beim HR-V gibt es ähnlich abgestufte Ausstattungsverbesserungen, und die so genannten „Magic Seats“ in der zweiten Reihe, die sich mit einfachen Handgriffen flach umklappen oder komplett aufrichten lassen, sind nun auch in der Einstiegsversion verbaut (Foto oben)
Stolz auf den selbst entwickelten Vollhybrid
Beide Modelle werden durch Hondas selbst entwickelten Vollhybrid, bestehend aus einer Lithium-Ionen-Batterie, zwei Elektromotoren sowie einem Vierzylinder-Direkteinspritzer angetrieben. Im Civic ist das ein Zwei-Liter-Motor mit 143 PS (105 kW), der im Zusammenspiel eine Systemleistung von 184 PS (135 kW) und 315 Newtonmeter (Nm) Drehmoment erzeugt. Im HR-V werkelt ein 1,5-Liter-Verbrenner (79 kW). Er erreicht eine Gesamtleistung von 131 PS (96 kW) bei 153 Nm. Das Besondere an Hondas Hybridantrieb ist, dass er ohne Getriebe je nach Situation und Bedarf nahtlos und ohne Eingreifen des Fahrers zwischen Elektro-, Hybrid- und Verbrennerbetrieb wechselt. So erfolgt das Anfahren oder das städtische Stop & Go überwiegend elektrisch. Bei starker Beschleunigung wechselt der Antrieb in den Hybridmodus, wobei die Räder weiter über den Elektromotor angetrieben werden, der wiederum seine Energie vom Benziner erhält. Bei konstant hohem Tempo – beispielsweise auf der Autobahn – wird das System direkt vom Verbrenner angetrieben, plus elektrischer Boost-Funktion bei Bedarf. Wird maximale Geschwindigkeit verlangt, wechselt das System zurück in den Hybridantrieb, um die volle Leistung des Elektromotors freizusetzen.
Beschleunigung ist kräftig und linear
Sowohl beim Civic wie auch beim HR-V bekommt der Fahrer vom ständigen Hin und Her unterm Blech so gut wie gar nichts mit. Beide Antriebe zeichnen sich durch eine kräftige und lineare Beschleunigung aus. Das 4,36 Meter lange HR-V-SUV benötigt je nach Ausstattung für den Sprint auf Tempo 100 km/h 10,6 bis 10,8 Sekunden und schafft eine Spitze von 170 km/h.
Sportlicher absolviert der Civic den Standardsprint in 7,8 bis 8,1 Sekunden. Er wird bei 180 km/h eingebremst. Den Verbrauch benennt Honda beim Civic mit 4,7 bis 5,0 Liter auf hundert Kilometern nach WLTP-Norm. Beim HR-V sollen es durch den höheren Fahrzeug-Aufbau und der entsprechend schlechteren Aerodynamik 5,4 Liter sein.
Gegen den Trend: günstigere Preise
Das Beste und die gleichzeitige Überraschung der Honda-Fahrzeug-Präsentation: Das alles gibt es (ganz gegen den Trend) zu günstigeren Preisen – zumindest beim Civic. So kostet der Einstieg in die Linie „Elegance“ trotz der zusätzlichen Features nur noch 37.900 statt 39.500 Euro. Die mittlere Variante „Sport“ startet bei 38.900 Euro statt 41.000 Euro. Sogar 3.300 Euro günstiger als bisher gibt’s die Bestausstattung „Advance“ für 41.400 Euro.
Beim HR-V ändern sich die Preise kaum. Dafür gibt es die neuen Ausstattungslinien mit exclusiven Designdetails, die Einstiegsversion „Elegance“ unter anderem mit 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, Rückfahrkamera und Sitzheizung für 34.700 Euro. Die Linie „Advance“ hat zusätzlich LED-Scheinwerfer und elektrische Heckklappe und kostet ab 37.000 Euro.
In den neuen Varianten finden sich weitere Features wie 18-Zoll-Alus (Advance Plus), Dachreling, 360-Grad-Kamera und Zweifarblackierung (Advance Style) oder auch ein Panorama-Glasdach (Advance Style Plus). Dann allerdings wird die 40.000 Euro-Hürde übersprungen.
Honda war der erste japanische Automobil-Hersteller, der die Hybrid-Technologie auf den europäischen Markt gebracht hat. Das war im Jahr 2018. Mit den neuen Modellen ist man in der Deutschland-Zentrale sicher, für die mittelfristige Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Der Honda ZR-V gehört mit zu den neuen Hybrid-Modellen.